Ältere Fußgänger fühlen sich benachteiligt

Kampagne „Sicher zu Fuß – ein Leben lang“

Bonn, 28.09.2021 Langes Warten an Ampeln, zu kurze Grünphasen, zugeparkte Gehwege und gefährliche Situationen mit Radlern: Gerade ältere Fußgänger fühlen sich in der Stadt gegenüber Auto- und Radfahrern benachteiligt. Das ist das Fazit der Seniorenliga-Kampagne „Sicher zu Fuß – ein Leben lang“. Ältere Fußgänger waren bundesweit aufgerufen, Wünsche und Anregungen zur Verbesserung ihrer Alltagswege zu äußern.

Grünphasen müssen verlängert werden

Fußgänger würden bei der Verkehrsplanung häufig außer Acht gelassen, meint auch Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung der Versicherer (UDV), der die Studie wissenschaftlich begleitete. Er kritisiert insbesondere die teilweise viel zu kurzen Grünphasen, die ältere Menschen nicht schaffen können und beim Überqueren der Fahrbahn unnötig unter Druck setzen: „Wer als älterer Fußgänger bei Grün die Straße betritt, muss in normalem Tempo die andere Straßenseite gefahrlos erreichen können“, so Brockmann: „Bei der Gehgeschwindigkeit sollte ein Wert angestrebt werden, der für ältere und in der Mobilität eingeschränkte Menschen auch tatsächlich machbar ist, und zwar ohne die sogenannten „Räumzeiten“ einzubeziehen.“ In diesen „Räumzeiten hätte zwar der durchgehende Verkehr noch „rot“, abbiegende Fahrzeuge von links und rechts bedrängten aber bereits die noch auf der Fahrbahn befindlichen Fußgänger.“

Mehr Schutz für die schwächsten Verkehrsteilnehmer

Als weiteres Problem ergab die Befragung den Konflikt zwischen Fußgängern sowie Rad- und zunehmend auch Elektrorollerfahrern. In diesem Zusammenhang beklagen viele Teilnehmer die zunehmende Beanspruchung der Gehflächen durch Radfahrer und die mangelnde Rücksichtnahme auf gemeinsamen Flächen. „Die beschriebenen Konfliktsituationen bergen ein hohes Unfallrisiko“, betont Brockmann und fordert neben gegenseitiger Rücksichtnahme die konsequente Kontrolle und Ahndung bei Vergehen wie der widerrechtlichen Nutzung von Fahrrädern und Elektrorollern auf Gehwegen und Fußgängerzonen. Eine gut ausgebaute Radinfrastruktur könne dazu beitragen, dass Rad- und Scooterfahrer gar nicht erst auf die Idee kommen, Fußwege zu benutzen.

„Sicher zu Fuß – ein Leben lang“

Eines hat die Aktion nach Ansicht von Erhard Hackler, geschäftsführender Vorstand der Seniorenliga, verdeutlicht: „Das im Straßenverkehr stetig steigende Gefahrenpotenzial für ältere Fußgänger erfordert zwingend neue Anforderungen an die Stadt- und Verkehrspolitik, an die Verkehrsplanung und an die Verkehrssicherheitsarbeit. Die Interessen von Autofahrern, öffentlichem Nahverkehr, Radfahrern und Fußgängern sollten dabei gleichberechtigt berücksichtigt werden." www.sicher-zu-fuss-2021.de