Digitalisierung in der Pflege – Fluch oder Segen?

Bonn, 20.05.20 Die Digitalisierung revolutioniert unterschiedlichste Bereiche in Wirtschaft und Gesellschaft. Experten sehen viele Möglichkeiten, wie sich auch die Pflege mit der intelligenten Nutzung von Daten und Technologien verbessern lässt. Aber welche Chancen und vor allem welchen Nutzen bietet die Digitalisierung nach Ansicht der Pflegerinnen und Pfleger? Ob Digitalisierung in der Pflege hilft, den Pflegekräften belastende Arbeit abzunehmen, ist sehr umstritten. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Umfrage einer Projektgruppe der Hochschule Rhein-Waal, an der auch Studierende beteiligt waren, in Zusammenarbeit mit der Deutschen Seniorenliga.

Jeder Zweite (43%) sieht die These, Digitalisierung würde die administrative Arbeit erleichtern, als nicht zutreffend an. Stattdessen befürchten vier von fünf Befragten zumindest teilweise mehr Leistungskontrolle. „Die Digitalisierung in der Pflege steckt noch in den Kinderschuhen und wird entsprechend skeptisch gesehen“, resümiert Professor Frank Schmitz, Dozent für Betriebswirtschaftslehre an der Hochschule Rhein-Waal die Ergebnisse. „Die Mitarbeitenden hoffen zwar auf körperliche Entlastung durch intelligente Robotik und auf Zeitgewinn, der bestenfalls auch den Bewohnern der Heime zugutekommen könnte.“ Entsprechend stimmen über 73% der Befragten der Aussage zu, dass durch digitale patientenbezogene Technologien die Qualität der Patientenbetreuung verbessert wird.

Die digitale Dokumentation findet bei 71% der Befragten Anwendung, von denen 72% diese täglich im Arbeitsalltag nutzen. Die Teilnehmer empfinden durch digitale Dokumentation eine Erleichterung administrativer Tätigkeiten, Kommunikationsverbesserung und vereinfachtere Leistungskontrolle. Dementgegen spielen digitale Anwendungen für die Bereitstellung ergänzender Services zur Lebens- und Haushaltsführung in der Praxis nur eine untergeordnete Rolle. Bei lediglich einem Zehntel der Befragten gibt es in diesem Bereich eine digitale Lösung.

Fazit:

Digitalisierung hat grundsätzlich das Potenzial, Pfleger zu entlasten. Trotz einschränkender Aspekte wie gleichbleibender Arbeitsbelastung und möglicher Leistungskontrolle ist die Nutzeneinschätzung und Anwendungsbereitschaft für digitale Lösungen sehr hoch. „Bis jetzt liegt der Fokus bei der Digitalisierung auf der Optimierung bestehender Abläufe, was aber aufgrund der Usability bzw. Benutzbarkeit bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nur bedingt als Entlastung wahrgenommen wird“, resümiert Professor Schmitz. „Dass Digitalisierung auch zusätzliche Angebote bzw. Services ohne administrativen Aufwand ermöglicht, wird überwiegend noch nicht gesehen,“ so Schmitz: „Da ist noch viel Potenzial für Innovation zum Nutzen aller Beteiligten.“

 

Hintergrund:
Umfrage unter allen Beschäftigten im ambulanten Pflegedienst Zeitraum: 13.11.2019 - 10.12.2019 Befragte: insgesamt 674 Proband*innen Teilnehmer: 548 ausgewertete Fragebögen