Coronavirus - Senioren unterschätzen die Situation

Deutsche Seniorenliga appelliert an ältere Menschen, die Lage ernst zu nehmen und ihren Alltag radikal umzustellen

Bonn, 18.03.2020 Ältere Menschen haben ein erhöhtes Risiko für einen schweren Covid-19-Krankheitsverlauf. In Deutschland sind bisher zwölf Menschen an einer Infektion mit dem Coronavirus gestorben. Sie waren zwischen 67 und 89 Jahren alt. Der Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité erläuterte in einem NDR-Podcast, dass nach einer umfassenden Datenanalyse aus mehreren Ländern bei den 60- bis 70-Jährigen etwa drei Prozent aller mit Sars-CoV-2 Infizierten sterben. Bei den 70- bis 80-Jährigen seien es etwa sieben bis acht Prozent und bei den über 80-Jährigen sogar etwa 20 bis 25 Prozent.

Solidarität mit Risikogruppen

Bund und Länder haben sich auf zahlreiche Maßnahmen geeinigt, um die Ausbreitung des Virus abzubremsen. Insbesondere zum Schutz von Älteren und anderen Risikogruppen wurden drastische Einschränkungen des öffentlichen Lebens beschlossen. Schulen, Kitas, Bars, Clubs und Museen werden geschlossen. Firmen fahren die Arbeit runter, Eltern bleiben zu Hause, Kindergeburtstage und Freundestreffen werden abgesagt. In den vergangenen Tagen haben viele Länder zusätzlich die Bewegungsfreiheit eingeschränkt. All das ist gut und richtig.

Ältere sollten auch Achtsamkeit an den Tag legen

„Die Solidarität der jüngeren Generation ist aber nur dann wirksam, wenn auch die ältere Generation achtsam ist“, appelliert Gerhard Fieberg, Vorsitzender der Deutschen Seniorenliga. Mancherorts ist zu beobachten, dass Ältere ihrem gewohnten Alltag nachgehen. Auch und gerade Älteren sollte klar sein, dass nur eine Reduzierung der sozialen Kontakte dazu führt, dass das Virus weniger Möglichkeiten hat, sich zu verbreiten. Um ihr persönliches Infektionsrisiko einzudämmen, ist es wichtig, dass auch die Älteren ihr Verhalten radikal ändern.

Soziale Kontakte kompensieren

Empathie und Solidarität sollten bei allem nicht nur Lippenbekenntnisse bleiben. Taten müssen folgen: „Dabei sollten wir alle darauf achten, dass wir unsere älteren Mitbürginnen und Mitbürger nicht sozial isolieren“, so Fieberg. Indem man Kontakt hält mit älteren Verwandten und Nachbarn, Einkäufe, Behörden- und Postgänge übernimmt. Aber am allerwichtigsten: Die Ernsthaftigkeit der Situation muss vermittelt werden, insbesondere wenn man bei der Erläuterung von notwendigen Verhaltensregeln auf Unverständnis oder sogar Widerstand stoßen sollte. Letztlich müssen die Älteren die Hilfe auch annehmen – es könnte ihr Leben retten.