Diskriminierung bei der Kreditvergabe

Altersgruppe 60+ stark betroffen

Bonn, 05.12.23 Seit dem Frühherbst 2023 erregt das Thema Altersdiskriminierung bei der Kreditvergabe starkes mediales Aufsehen. Laut einer Untersuchung des Instituts für Finanzdienstleistungen e.V. (iff) sehen sich ältere Menschen bei der Kreditvergabe durch Banken zunehmend benachteiligt. Die Studie* stellt fest, dass Seniorinnen und Senioren in Deutschland oft nur schwer Kredite erhalten. Bei der Vergabe von Konsum- und Immobilienkrediten liegt die Altersgrenze im Schnitt bei 67 Jahren. Zahlreiche Medien berichteten bereits hierzu in den vergangenen Wochen. In einer stichprobenartigen Umfrage unter 100 Banken und Versicherungen bestätigten 55 Prozent dieser Unternehmen, dass Altersgrenzen bei der Kreditvergabepraxis eine Rolle spielen. Nahezu 75% der angesprochenen Unternehmen konnten diesen Kontext auch für Immobilienkredite bestätigen.

Bund kritisiert die Kreditwirtschaft

Ferda Ataman, die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, zeigte sich besorgt über die Studienresultate und resümierte: "Die Studie ist ein Warnsignal, weil sie zeigt, dass ältere Menschen oft pauschal keine Kredite mehr bekommen". Die Studienverantwortlichen für die Studie betonten, dass die Zurückhaltung der Banken bei der Kreditvergabe nach geltender Gesetzeslage keine Altersdiskriminierung darstellt. Insofern gewährt das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) derzeit keinen umfassenden Schutz vor altersbedingten Benachteiligungen bei Verbraucherkrediten. Ataman schlägt in diesem Kontext vor, dass Verbraucherinnen und Verbraucher die Möglichkeit erhalten sollten, ihre Kreditwürdigkeit individuell überprüfen zu lassen. Zudem sollten Banken und Versicherungen in Zukunft Ablehnungen von Krediten transparenter begründen müssen.

Deutsche Leibrenten unterstützt Initiativen

Bereits im Juni sprach Friedrich Thiele, Vorstand der Deutsche Leibrenten Grundbesitz AG, den Missstand fehlender Angebote für Seniorenkredite - auch für Senioren mit Immobilienvermögen - auf der iff-Konferenz in Hamburg an und forderte die Finanzwirtschaft auf, ihrer Verantwortung für diese vermögende, aber oft illiquide Altersgruppe nachzukommen: „Kostensteigerungen und Inflation führen zu Mehrausgaben in den Seniorenhaushalten, Renten reichen oft nicht mehr aus, um den Lebensabend möglichst sorgenfrei zu gestalten und die Instandhaltung der eigenen Immobilie über freie eigene Mittel ist nicht mehr gewährleistet. Wir rufen daher die Kreditwirtschaft auf, ihrer Verantwortung gerecht zu werden und geeignete Finanzprodukte für Senioren mit immobilienvermögen zu entwickeln. Equity Release-Kreditprodukte sind in angelsächsischen Märkten vollkommen üblich und sollten zusätzlich zur nachhaltigen Immobilienrente deutlich verstärkt angeboten werden. Nur so können wir sicherstellen, dass ältere Menschen ihren Lebensabend in Würde und finanzieller Sicherheit in ihrem eigenen Zuhause verbringen können. Banken müssen der Altersgruppe 60plus zusätzlich geeignete Darlehens- und Kreditlösungen anbieten“. Die Deutsche Leibrenten** selbst bietet Seniorinnen und Senioren mit Immobilienbesitz in der Altersgruppe 70+ eine sogenannte Immobilienrente in Form einer Zeitrente an, um sie bei ihrem Finanzierungsbedarf im Alter zu unterstützen. In diesem Segment zählt das Unternehmen zu den Pionieren und Marktführern.

Finanzbedarf bei älteren Immobilienbesitzern verdeutlicht Lösungsbedarf

Betrachtet man die Wohneigentumsquote von annähernd 60%*** in der stetig wachsenden Altersgruppe der Generation 65+ erhalten die Ergebnisse der iff-Studie besondere Bedeutung. Bedingt durch stetig steigende Lebenshaltungs- und Instandhaltungskosten – Stichwort: energetische Sanierungen – gibt es allerdings nicht wenige Hauseigentümer, bei denen mit zunehmendem Alter das Geld knapp wird, zumal das gesamte Kapital im Eigenheim steckt. Hauseigentümer könnten die Immobilie natürlich verkaufen und sich so eine regelmäßige Zahlung sichern. Das hätte allerdings den Auszug aus dem Haus zur Folge. Die Deutsche Seniorenliga kennt die Wünsche der immobilienbesitzenden Rentner nach Stabilität und Sicherheit für den Lebensabend sehr genau. Angebote, über eine Verrentung der Immobilie das gebundene Kapital in liquide Mittel zu verwandeln, können Abhilfe leisten. Eigentümerinnen und Eigentümer ab 70 Jahren können Haus oder Eigentumswohnung verkaufen und erhalten auf Wunsch eine einmalige Auszahlung, monatliche Rentenzahlungen oder eine Kombination aus beidem. Für Immobilienbesitzer unterhalb von 70 Jahren ist nur ein Immobilienkredit eine nachhaltige und sinnvolle Möglichkeit, gebundenes Eigenkapital vorzeitig flüssig zu machen. Hier sind Banken aufgerufen, ihr Angebot erweitern. Bei der klassischen Immobilienrente verkauft der Eigentümer seine Immobilie. Im Gegenzug erhält er ein lebenslanges Wohnungsrecht und eine im Grundbuch eingetragene sogenannte Reallast, mit der die monatliche Rentenzahlung rechtlich abgesichert wird. Vorteile für den Verkäufer: Er lebt wie bisher als Besitzer kostenfrei in seiner Immobilie und bezahlt lediglich die Betriebskosten. Zusätzlich bekommt er während der Dauer des Immobilienrentenvertrages (die Deutsche Leibrenten bietet bspw. eine Auszahlung über den Zeitraum bis zu 15 Jahren) Geld aus seiner Immobilie, sprich eine Zusatzrente. Anstelle der Zusatzrente könnte auch ein zuvor in Anspruch genommener Immobilienkredit aus einer Einmalzahlung zurückgezahlt werden. Um die Instandhaltung der Immobilie kümmert sich der neue Eigentümer. Die Deutsche Seniorenliga steht dem Modell der Immobilienrente positiv gegenüber und sieht die Hausbanken besonders hinsichtlich der Beseitigung der Altersdiskriminierung bei der Kreditvergabe in der Pflicht, hier für Abhilfe zugunsten der oft langjährigen Klientel zu sorgen.

Teilverkauf - Modell mit Fallstricken

Aber Vorsicht! Nicht alle Modelle, die der Markt bietet, sind empfehlenswert. Insbesondere der Teilverkauf steht bei Verbraucherschützern**** und Aufsichtsbehörden unter sehr kritischer Beobachtung, denn sie stellen keine gute Investition in einen finanziell sorgenfreien Lebensabend dar. Beispielsweise verlangen Anbieter für das lebenslange Wohnrecht ein Nutzungsentgelt, indirekt also eine Art Miete oder Zins. Nach Angaben der Verbraucherzentralen liegen die Nutzungsentgelte deutlich oberhalb eines vergleichbaren Kreditproduktes, bei dem man durch Tilgung auch Vermögen bilden kann. Im Vergleich hierzu drohen beim Teilverkauf erhebliche Kostenrisiken: Diese und andere, weitere Kosten schmälern für jene, die den Teilverkauf in Anspruch nehmen, die zunächst anschauliche Auszahlsumme über die Nutzungsdauer der Immobilie erheblich. Zudem werden bei einem späteren, kompletten Verkauf der Immobilie hohe Gebühren und zu zahlende Mindestgewinne an den Teilkäufer fällig. Und es gibt weitere Fallstricke: Obwohl bis zu 50 Prozent an den „Stillen Teilhaber“ übertragen werden, sind die Alteigentümer weiter in der Pflicht. Sie haften selbst für Schäden, aber vor allem tragen sie sämtliche Instandhaltungskosten und das Risiko eines Wertverlustes auch am verkauften Teil.

Fazit: Beratung in Anspruch nehmen

Die Deutsche Seniorenliga empfiehlt, Angebote verschiedener Anbieter zu vergleichen und bei entschuldeter Immobilie bei Banken auf ein Darlehen zu drängen. Im höheren Alter kann eine echte Immobilienrente eine sichere Alternative darstellen, die auf die individuellen wohnwirtschaftlichen und finanziellen Bedürfnisse der Immobilieneigentümer Rücksicht nimmt. Hierzu sollte man einen Anwalt, Steuerberater oder zumindest ein Familienmitglied hinzuziehen. Auch die Verbraucherzentralen vor Ort (www.verbraucherzentrale.de/beratung) bieten Beratungsgespräche an.

Weitere Informationen zum. Thema:

* Abschlussbericht des iff-Institut: Projektabschluss: Altersdiskriminierung bei der Kreditvergabe - iff - institut für finanzdienstleistungen e.V. (iff-hamburg.de)
** www.deutsche-leibrenten.de
*** Lt. Umfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft
****www.verbraucherzentrale.de/wissen/geld-versicherungen/kredit-schulden-insolvenz/teilverkauf-der-eigenen-immobilie-was-sind-die-haken-der-angebote-48054

 

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