Bedarfsgerechte Medikation älterer Patienten kann Pflegebedürftigkeit verhindern

Deutsche Seniorenliga fordert die Erstattung nicht verschreibungspflichtiger, apothekenpflichtiger Arzneimittel für ältere, multimorbide Menschen

Bonn, 06.12.2019 Bei der medizinischen Versorgung älterer Menschen besteht enormer Handlungsbedarf, weil deren sichere und bedarfsgerechte medikamentöse Behandlung nicht ausreichend gewährleistet ist. Einer der Gründe ist die Multimorbidität, das gleichzeitige Vorkommen mehrerer Erkrankungen. Sie führt dazu, dass viele ältere Menschen häufig langfristig viele verschiedene insbesondere verschreibungspflichtige Medikamente einnehmen und dadurch hohen Risiken von Neben- und Wechselwirkungen ausgesetzt sind. Aus Sicht der Deutschen Seniorenliga ist es in diesem Zusammenhang unverständlich, dass einige gut verträgliche, aber nicht verschreibungspflichtige Arzneien aus dem Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung ausgeschlossen sind.

Multimorbidität und Polypharmazie im Alter

Körperliche Veränderungen und Verschleißerscheinungen gehören zum natürlichen Prozess des Alterns. Das erklärt, warum mit zunehmendem Alter die Anfälligkeit für bestimmte Erkrankungen steigt und ein Großteil der älteren Menschen regelmäßig Medikamente einnehmen muss – und zwar sehr häufig mehrere verschiedene Präparate. Der normale Alterungsprozess bringt allerdings auch mit sich, dass Medikamente anders wirken als bei jungen Menschen. Durch altersbedingte Veränderungen des Stoffwechsels und nachlassende Leistungsfähigkeit der Organe sind ältere Menschen in der Regel anfälliger für unerwünschte Nebenwirkungen. Die Folge: Nehmen ältere Patienten viele verschiedene Medikamente ein, steigt zum einen das Risiko für Nebenwirkungen, zum anderen können die Wirkstoffe sich gegenseitig beeinflussen und unerwünschte Wechselwirkungen hervorrufen. Besonders stehen dabei sturzfördernde Arzneimittelgruppen wie Sedativa, NSAR, Benzodiazepine etc. im Fokus.

Schwerwiegende Folgen für Patienten und die Solidargemeinschaft

Die Folgen einer unzureichenden oder unangemessenen medikamentösen Behandlung sind weitreichend. Heilungsprozesse verzögern sich, Patienten leiden an chronischen Beschwerden und behandlungsbedürftigen Nebenwirkungen, das Risiko für arzneimittelbedingte Krankenhausaufenthalte steigt, bei vielen kommt es dabei zu Einschränkungen der Mobilität und zunehmendem Verlust an Lebensqualität. Häufig steht am Ende die Pflegebedürftigkeit oder sogar der Tod.

Nicht verschreibungspflichtige Arzneimittel als sinnvolle Alternative

Es ist unbestritten, dass nicht verschreibungspflichtige Arzneimittel bei typischen geriatrischen Erkrankungen wie Schlafstörungen, Inkontinenz, Schwindel oder zur Linderung von Schmerzen eine effektive und häufig nebenwirkungsarme Therapiealternative bieten. Bei manchen Indikationen können solche nicht verschreibungspflichtigen Präparate (OTC) die Verordnung von verschreibungspflichtigen Medikamenten sogar ersetzen. Zudem haben insbesondere OTC-Arzneimittel mit natürlichen Arzneistoffen eine hohe Akzeptanz bei älteren Patienten, was u. a. erheblich zur Therapietreue beiträgt. Nicht verschreibungspflichtige, apothekenpflichtige Arzneimittel werden bei vorstehenden Alterserkrankungen, selbst wenn sie als medizinisch notwendig vom Arzt erkannt und bestätigt werden, jedoch von den Krankenkassen nicht erstattet.

Forderung an die Politik

„Zum Erhalt der Selbständigkeit und der Arzneimitteltherapiesicherheit insbesondere älterer Patienten fordern wir daher eine gesetzliche Neuregelung für die Kostenübernahme von nicht verschreibungspflichtigen Arzneimitteln bei multimorbiden Patienten, wenn die behandelnden Ärztinnen und Ärzte die Therapie mit diesen Medikamenten als notwendige Maßnahme verordnen“, so Erhard Hackler, geschäftsführender Vorstand der Deutschen Seniorenliga in Bonn. Für chronisch kranke sowie multimorbide ältere Patienten kann die Einnahme bzw. Anwendung der OTC-Arzneimittel ansonsten zu einer erheblichen finanziellen Belastung werden. „Eine adäquate medikamentöse Versorgung der Patienten ist demzufolge nicht sichergestellt und gerade für ältere Menschen droht eine Zweiklassenmedizin“, so Hackler.

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