Weniger Trinken ist
keine Lösung bei Blasenschwäche
Flüssigkeitsdefizite
können Blasenprobleme verstärken
Bonn,
31.05.06 Der Gedanke erscheint logisch: Wer wenig trinkt, bildet weniger Urin
und hat folglich weniger Probleme mit der Blasenschwäche. Doch Blasenschwäche
lässt sich nicht dadurch verhindern, dass man weniger trinkt. Betroffene erreichen damit in der Regel das Gegenteil,
denn der konzentrierte Urin verstärkt das Gefühl des Harndrangs. Außerdem schadet zu wenig Flüssigkeit der Gesundheit: Das Risiko für Harnwegsinfekte und Bildung
von Nieren- und Blasensteinen steigt.
Eine Gefahr der Blasenschwäche ist es, zu wenig zu trinken,
um ständigen Harndrang zu vermeiden oder keinen Urin zu verlieren. Doch
was auf den ersten Blick nach einer praktikablen Lösung aussieht, ist in
Wirklichkeit ein Trugschluss. Steht für die Urinbildung nur wenig
Flüssigkeit zu Verfügung, müssen die Nieren das geringe Urinvolumen sehr stark
mit den auszuscheidenden Stoffen anreichern. Diese Konzentrationsarbeit stellt
eine hohe Belastung für die lebenswichtigen Nieren dar, und hochkonzentrierter
Urin kann auch die Blase zusätzlich reizen.
Trinkgewohnheiten
Patienten mit Blasenschwäche sollten ihre Trinkgewohnheiten auf
den individuellen Tagesablauf abstimmen. Denn wer die Flüssigkeitszufuhr zu
bestimmten Zeiten regelt, hat bessere Chancen, kontrolliert die Toilette aufsuchen
zu können. So kann man beispielsweise vor dem Verlassen des Hauses die
Trinkmenge reduzieren und das Versäumte später beim Nachhausekommen nachholen. Ebenso
kann man zwei bis drei Stunden vor dem Schlafengehen auf Getränke möglichst
verzichten, wenn der nächtliche Gang zur Toilette vermieden werden soll. Jedoch
sollte niemand die tägliche Trinkmenge drastisch einschränken. Mindestens
anderthalb Liter empfiehlt zum Beispiel die Deutsche Gesellschaft für
Ernährung. Ein gutes Indiz für Wassermangel liefert aber
auch die Farbe des Urins: Ist er dunkelgelb gefärbt, transportiert
man zu viele Giftstoffe im Urin und der Körper benötigt mehr Flüssigkeit. Wirkt
der Urin dagegen sehr hell, trinkt man genug.
„Gerade im Sommer sollten Menschen mit
Blasenschwäche daran denken, ausreichend zu trinken“, warnt Erhard Hackler,
geschäftsführender Vorstand der DSL. Bei zu geringer Flüssigkeitszufuhr
besteht sonst nicht nur die Gefahr einer Harnwegsinfektion, sondern auch das
Risiko schwerer Kreislaufprobleme. Dies gilt umso mehr, wenn man sich
körperlich mehr als gewohnt zumutet.
Das Richtige trinken
Wichtig ist es auch, den Flüssigkeitsbedarf mit den
richtigen Getränken zu decken. Ideale Durstlöscher sind beispielsweise Wasser,
stilles Mineralwasser und Kräutertees, da sie keine oder wenig blasenreizende
Substanzen enthalten. Getränke wie Kaffee, schwarzer Tee und Bier verstärken
dagegen die Blasen- und Drangbeschwerden. Betroffene sollten sie daher nur in
kleinen Mengen genießen oder ganz meiden, wenn sie Aktivitäten außer Haus
planen.
Über Ursachen, Formen und Behandlungsmethoden der
Inkontinenz informiert die DSL mit der Broschüre „Blasenschwäche ist kein
Schicksal“. Sie gibt praktische Tipps für den Alltag und möchte Senioren
ermutigen, Blasenschwäche nicht als normale Alterserscheinung hinzunehmen. Die
Broschüre ist kostenlos erhältlich bei der Deutschen Seniorenliga e.V.,
Gotenstraße 164 in 53175 Bonn oder kann im Internet unter www.dsl-blasenschwaeche.de abgerufen werden.