Wachstumsmarkt Alter

Geschäftschancen und unternehmerische Verantwortung im Zeitalter des demographischen Wandels - Die Deutsche Seniorenliga e.V. unterstützt das Deutsche Institut für Japanstudien auf internationalem Symposium in Tokio

 

Bonn - Tokio 29.08.08 Der Umgang mit den gravierenden Auswirkungen einer immer älter werdenden Gesellschaft zählt in Deutschland zu den wichtigsten politischen und gesellschaftlichen Herausforderungen in den nächsten Jahrzehnten. Der demografische Wandel betrifft nicht nur Deutschland, sondern ist auf europäischer Ebene ein ebenso weit verbreitetes Phänomen wie beispielsweise in Russland oder auch in China. Besonders gravierend sind die Auswirkungen in Japan. Die japanische Gesellschaft ist die älteste der Welt. Im Jahr 2050 werden die Senioren dort über 36 Prozent der Bevölkerung ausmachen. Dies liegt auch daran, dass die Geburtenrate im Land des Lächelns mit 1,32 Kindern pro Familie noch unter der Rate der Deutschen mit 1,33 Kindern liegt. Der demographische Wandel ist in Deutschland ebenso wie in Japan unausweichlich und die sozialpolitische Belastung liegt auf der Hand. "Aber Resignation hilft da wenig; Handeln ist gefragt und eine gute Portion perspektivisches Denken," meint Erhard Hackler, geschäftsführender Vorstand der Seniorenliga. "Denn eine Gesellschaft, die immer älter wird, muss nicht automatisch stagnieren. Sie bietet vielseitige Chancen für Wachstum und Wohlstand: Die Nachfrage nach neuen Produkten und Dienstleistungen steigt beständig.. Deshalb vernetzen wir uns mit wissenschaftlichen Instituten, Handel, Handwerk, Versicherungen und Industrie. Was den Älteren nutzt, ist auch für jüngere Marktteilnehmen oft sehr hilfreich, so Hackler. Wer heute dem Alter die Zukunft sichert, handelt in der Verantwortung für morgen!" Das sehen auch Prof. Dr. Cornelius Herstatt, Leiter des Lehrstuhls für Technologie- und Innovationsmanagement an der Technischen Universität Hamburg-Harburg, und Dr. Florian Kohlbacher vom Deutschen Institut für Japanstudien in Tokio so. "Leider tut sich aber im Bereich Produktentwicklung und Design für ältere Menschen noch viel zu wenig und viele Firmen scheinen zu wenig vorbereitet auf den Silbermarkt bzw. unterschätzen ihn einfach". In der Wissenschaft besteht hier eine deutliche Forschungslücke, die Herstatt und Kohlbacher mit ihrem gemeinsamen Forschungsprojekt "The Silver Market Phenomenon" schließen möchten. "Japan ist dabei als Vorreiter ein besonders gutes und lehrreiches Beispiel", da zum einen die demografische Entwicklung am weitesten vorangeschritten und die Einstellung der Wirtschaft auf die älter werdende Kundschaft mit am weitesten fortgeschritten ist", so die beiden Wissenschaftler.


Von 2.-4. Oktober sind Kohlbacher und Herstatt Hauptorganisatoren des internationalen Symposiums "The Silver-Market-Phenomenon: Business Opportunities and Responsibilities in the Ageing Society"in Tokio. Der Kongress beleuchtet die Herausforderungen und Chancen, die der "Silbermarkt" bietet und versucht, die Prozesse der Produktentwicklung, des Innovations - und Technologiemanagements und des Marketings für den Seniorenmarkt sowie deren Erfolgsfaktoren zu erklären. In diesem Zusammenhang sollen auch unternehmerische Verantwortung und wirtschaftsethische Aspekte beleuchtet werden. Die Deutsche Seniorenliga bringt sich mit ihrer langjährigen Erfahrung mit Instituten und Unternehmen der deutschen Wirtschaft ein.


Weitere Informationen zum Kongreß unter www.dijtokyo.org


Hintergrund
Im Jahr 2050 wird das Durchschnittsalter der deutschen Bevölkerung etwa 50 Jahre betragen, jeder Dritte wird 65 Jahre oder älter sein. Die Zahl der ab 65-jährigen steigt von knapp 16 Millionen Menschen im Jahr 2005 auf circa 24 Millionen im Jahr 2050. Die Bevölkerung ab 80 Jahren nimmt unablässig zu: 2050 werden über 10 Millionen 80-Jährige und Ältere in Deutschland leben, im Jahr 2005 waren es 3,7 Millionen. In Japan werden 2010 die über 50-jährigen etwa die Hälfte der Gesamtbevölkerung ausmachen. Die Zahl der über 65-jährigen wird bis zum Jahre 2050 von 18,5 Prozent im Jahr 2002 auf 35,6 Prozent angestiegen sein. So steht einem immer kleiner werdenden Jugendsegment ein ständig wachsendes Seniorensegment gegenüber, das zahlreiche Geschäftschancen zu bieten scheint.