Dem Vergessen auf der Spur:
Alzheimer oder Depression?
Neben Alzheimer können auch
Depressionen ausgeprägte Gedächtnislücken und Verwirrtheit hervorrufen –
Broschüre hilft Angehörigen beim Erkennen
Bonn, 28.04.06
Vergesslichkeit und Konzentrationsschwäche - viele ältere Menschen sehen darin
schon Vorboten einer Alzheimer-Erkrankung. Gott sei Dank trifft dies nicht
immer zu. Dennoch sollte man sich die Mühe machen, die Ursachen einmal genauer
unter die Lupe zu nehmen. Denn Hirnleistungs- störungen, wie sie bei
Alzheimer-Patienten auftreten, können auch andere Ursachen haben. Nicht selten
verbirgt sich hinter dem befürchteten Verdacht auf Alzheimer eine Depression,
die gerade bei Senioren allzu oft übersehen wird. Die kostenlose Broschüre
„Alzheimer erkennen“ der Deutschen Seniorenliga (DSL) soll Angehörigen helfen,
ersten Anzeichen richtig zu deuten.
Demenzähnliche Symptome wie Vergesslichkeit, Gedächtnislücken oder
Verwirrtheit weisen nicht zwangsläufig
auf eine Alzheimer-Erkrankung hin. Da auch bei Depressionen häufig die
geistige Leistungsfähigkeit der Betroffenen herabgesetzt ist, können beide
Erkrankungen leicht miteinander verwechselt werden. Mediziner
sprechen deshalb auch von einer Pseudodemenz, wenn Vergesslichkeit oder Verwirrtheit so stark ausgeprägt sind, dass
sie eine Alzheimer-Erkrankung vortäuschen. Während sich eine Depression jedoch ohne
Spätschäden zurückbilden kann, verschlechtern sich die Symptome bei der Demenz
unwiederbringlich. Deshalb ist es um so wichtiger, frühzeitig einen Arzt
aufzusuchen und die richtige Behandlung zu beginnen.
Wegen der unterschiedlichen Behandlungsansätze ist die
Unterscheidung zwischen beiden Erkrankungen wichtig, aber in der Praxis auch
oft recht schwierig. Trotzdem gibt es klare Unterschiede: Patienten, die an einer
Demenz leiden, spielen ihre Leistungsdefizite meist herunter und versuchen,
sich Schwierigkeiten nicht anmerken zu lassen. Ihre Vergesslichkeit nimmt
schleichend immer weiter zu und es treten scheinbar grundlose
Stimmungsschwankungen auf: Die eben noch gute Laune kehrt sich plötzlich um in
Niedergeschlagenheit. Im Unterschied dazu sind depressive Menschen gleich
bleibend bedrückt. Sie beklagen ihre Leistungsdefizite, die ab einem bestimmten
Punkt auf einem gewissen Niveau erhalten bleiben, eher in übertriebener Weise.
„Die
Tatsache, dass Depressionen und Demenz-Erkrankungen vergleichbare Symptome
hervorrufen können, sollte allen Angehörigen Mut machen, mit dem Betroffenen
möglichst frühzeitig einen Arzt aufzusuchen“, betont Erhard Hackler,
geschäftsführender Vorstand der Deutschen Seniorenliga. Denn Depressionen, aber
auch Medikamente, Virusinfektionen, Leber- und Nierenschäden oder
Durchblutungsstörungen in der Kopfschlagader führen ebenfalls zu massiven
Gedächtnisstörungen (sog. sekundäre Demenzen). Erst wenn alle diese
Erkrankungen ausgeschlossen werden, lautet die Diagnose: Alzheimer.
Auch wenn eine Heilung der Alzheimer-Krankheit nach dem
heutigen Stand der Medizin nicht möglich ist, bedeutet dies nicht, dass man dem
geistigen Abbau tatenlos zuschauen muss. Und je eher eine Demenz erkannt und
behandelt wird, desto länger kann der geistige Verfall verzögert werden. „Wer
sich frühzeitig mit seiner Erkrankung auseinandersetzt, hat zudem die Chance,
über seine Zukunft und die seiner Familie selbst zu entscheiden“, erklärt
Erhard Hackler. Die Realität zeigt leider, dass oft wertvolle Jahre vergehen
und die Erkrankung ungehindert fortschreitet, bis Betroffene eine fachkundige
Behandlung erhalten, obwohl wirksame Medikamente (sog. Antidementiva) zur
Verfügung stehen.
Mit der Broschüre „Alzheimer erkennen“ möchte die DSL
Angehörigen helfen, erste Anzeichen einer Alzheimer-Erkrankung richtig zu
deuten. Sie erklärt, welche charakteristischen Warnsymptome auf eine
Alzheimer-Demenz hindeuten können und wie die Erkrankung diagnostiziert und
behandelt wird. Die Broschüre ist kostenlos erhältlich bei der Deutschen
Seniorenliga e.V., Gotenstraße 164 in 53175 Bonn oder unter http://www.dsl-alzheimer.de/.