Bonn, 16.03.07
Zeigt ein Familienmitglied Anzeichen einer Alzheimer-Demenz, sollten Angehörige
sensibel vorgehen. Betroffene fühlen sich oftmals beschämt und versuchen, ihre
Gedächtnisprobleme vor der Familie zu verbergen. Die Deutsche Seniorenliga
empfiehlt daher, den Lebenspartner, Mutter oder Vater, zu einer Untersuchung zu
ermuntern, jedoch keinesfalls gegen ihren Willen zu einem Hirnleistungstest zu
drängen. Geschickter ist es, einen allgemeinen Check-up bei einem vertrauten
Arzt vorzuschlagen.
Kleine
Notlüge erlaubt
„Um Betroffene nicht mit dem Verdacht auf eine
Demenz zu brüskieren, dürfen Angehörige ruhig zu dieser kleinen Notlüge
greifen“, rät Erhard Hackler, geschäftsführender Vorstand der Deutschen
Seniorenliga. „Es ist ohnehin sinnvoll, im Alter regelmäßig Blutdruck,
Leberwerte und Belastbarkeit untersuchen zu lassen. Ein guter Hausarzt, der den
Patienten zumeist seit vielen Jahren kennt, kann im Rahmen einer solchen Untersuchung
auf einfühlsame Weise auch die geistige Fitness überprüfen.“ Schon bei der
Terminabsprache sollte der Arzt über die Situation informiert werden, damit er
einen Hirnleistungstest in die Untersuchung einplanen kann. Oftmals ist es auch
hilfreich, wenn ein Angehöriger den Patienten begleitet – zum einen, um ein
Stück Sicherheit zu vermitteln und zum anderen, um aufkommende Fragen zu
beantworten, mit denen der Patient möglicherweise überfordert wäre.
Schlechte
Diagnose ist besser als Ungewissheit
Steht
die Diagnose erst einmal fest, ist das zunächst ein Schock. Oft fühlen sich die
Patienten und Angehörigen aber auch erleichtert. Denn nun muss der Erkrankte
seine geistigen Defizite nicht mehr verstecken, und die Familie kann offen über
das Thema reden. Eine ausgesprochene Diagnose gibt oft den Anstoß, wichtige
familiäre und rechtliche Angelegenheiten zu regeln.
So
kann der Erkrankte beispielsweise eine Patientenverfügung schreiben und ein
Testament aufsetzen, oder gemeinsam mit den Angehörigen nach einer passenden
Pflegeeinrichtung für das spätere Krankheitsstadium suchen.
Aber
auch für gemeinsame Unternehmungen, wie etwa eine lang ersehnte Reise, ist
jetzt der richtige Zeitpunkt. Zudem bietet eine feststehende Diagnose die
Möglichkeit, gezielt Medikamente, so genannte Antidementiva, zur Behandlung der
Alzheimer-Demenz einzusetzen. Durch moderne Antidementiva, wie z.B. dem
Wirkstoff Memantine, der eine schädliche Erhöhung des Botenstoffes Glutamat im
Gehirn positiv reguliert, können Symptome der Alzheimer-Demenz abgeschwächt
werden. Der Verlauf der Erkrankung kann zumindest verzögert und
Begleiterscheinungen wie Unruhe, Aggressivität oder Stimmungsschwankungen
können gemildert werden.
Nicht immer ist es Alzheimer
Nicht
immer handelt es sich bei Hirnleistungsstörungen um eine Alzheimer-Demenz.
Zahlreiche andere Erkrankungen, die zum großen Teil erfolgreich behandelt
werden können, weisen ganz ähnliche Symptome auf. So führen mitunter
Schilddrüsenerkrankungen zu Konzentrations- und Gedächtnis-störungen. Auch eine
Unterversorgung mit Flüssigkeit oder bestimmten Vitaminen, wie sie gerade bei
alten Menschen durchaus vorkommt, kann die Denkleistung negativ beeinflussen.
Ebenso kann die langfristige Einnahme von Medikamenten wie Beruhigungsmitteln
der Grund für die kognitiven Einbußen sein. Darüber hinaus sollte immer eine
Depression als Ursache in Erwägung gezogen werden, die in ihren Symptomen
oftmals nur schwer von einer Demenz zu unterscheiden ist.
Antworten auf die wichtigsten Fragen zur Diagnose der Alzheimererkrankung gibt ein Leitfaden der Deutschen Seniorenliga mit dem Titel „Alzheimer erkennen“. Das kostenfreie Heft kann auf dem Postweg oder im Internet angefordert werden bei: Deutsche Seniorenliga e.V. German Seniors, Gotenstraße 164, 53175 Bonn, http://www.dsl-alzheimer.de/.