Altersbild deutscher
Werbeagenturen praxisfern und unrealistisch
Pauschaler
Umgang mit anspruchsvoller Zielgruppe
Bonn, 15.06.2010 Dass
der demografische Wandel Deutschland altern lässt und damit die Kundschaft der
werbetreibenden Wirtschaft immer älter wird, hat sich auch bei vielen
Werbeagenturen herumgesprochen. Eine aktuelle Umfrage der Deutschen
Seniorenliga in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Institut für Japanstudien
Tokyo (DIJ) zeigt jedoch, dass es gravierende Defizite im Umgang mit dieser
Zielgruppe gibt.
Aufgrund der demografischen Entwicklung zeigen viele
Unternehmen ein wachsendes Interesse an der Zielgruppe der so genannten „Best
Ager“. Diese Konsumenten jenseits der 50 Jahre repräsentieren schon heute fast
die Hälfte der gesamten Kaufkraft in Deutschland. Dennoch können sich Ältere
mehrheitlich nicht mit den aktuellen Inhalten und Stereotypen der Werbung,
ihrem Altersbild, identifizieren. Sie fühlen sich entweder vernachlässigt oder
nicht entsprechend ihrem Selbstbild dargestellt, teilweise sogar der
Lächerlichkeit preisgegeben. Vor
diesem Hintergrund befragte die Deutsche Seniorenliga e.V. (DSL) Entscheider
aus deutschen Werbeagenturen zur Bedeutung der Zielgruppe ‚Best Ager’ sowie zu
ihrem persönlichen und professionellen Umgang mit älteren Menschen. Im Ergebnis
machte die DSL unerwartet irritierende Feststellungen.
„Obwohl 70 Prozent der Befragten dem Segment der ‚Best Ager’ eine hohe
oder gar sehr hohe Relevanz für Ihre Arbeit zuordnen, wird diese heterogene
Zielgruppe pauschal angesprochen“, wundert sich Erhard Hackler, geschäftsführender
Vorstand der DSL. So wird sie zunächst durch die Hälfte der Befragten nach der
weit verbreiteten Festlegung „50plus“ – entsprechend
der „werberelevanten Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen“ – definiert. Jedoch
wird von der Mehrheit der Befragten keine
weitere Differenzierung vorgenommen. „Demnach erfahren verheiratete,
berufstätige 52-Jährige die gleiche werbliche Ansprache wie hochaltrige
Verwitwete“, zeigt sich Hackler erstaunt und enttäuscht zugleich.
Dabei ist in einer stetig alternden deutschen Bevölkerung keine
Zielgruppe so heterogen wie die der Älteren. Vom aktiven Sportler und Reisenden
bis zum immobilen „Parkbänkler“ sind unterschiedlichste Facetten hinsichtlich
offenkundiger, weil hinlänglich erforschter, Bedürfnisse und Ansprüche
vorhanden. Diese verschiedenen „Generationen“ bedürfen folgerichtig einer
individuellen Ansprache.
Mangelnde Sensibilität und deutliche Kompetenzmängel hinsichtlich
der Heterogenität der Zielgruppe
bestätigt auch Dr. Florian Kohlbacher vom DIJ, der eine vergleichbare Umfrage
mit japanischen Werbeagenturen durchgeführt hat. „Es ist auffällig, wie
schlecht die Kreativen informiert sind und welche Einstellungen sie zum ‚Best Ager’-Markt haben – sowohl in Deutschland wie auch in
Japan“, so Kohlbacher.
Die Autoren der Studie hoffen, dass die Alterung wesentlicher
Absatzmärkte das ernsthafte Interesse der Werbung am aktiven,
unvoreingenommenen Umgang mit Älteren fördert. Wünschenswert sei es in jedem
Fall, die Fakten des Alterns und des Alters in der Aus- und Weiterbildung der
Werbebranche praxisnah zu vermitteln, da vertiefte Kenntnisse über das Alter(n)
Vorrausetzung für eine erfolgreiche werbliche Ansprache der unterschiedlichen
50plus-Generationen ist.
* Befragung
im Januar/Februar 2010 mittels Fragebogen zum Thema „Best Ager“.
Es beteiligten sich bundesweit 112 Agenturen.
Kostenlose Bestellmöglichkeit
einer Kurzfassung der Ergebnisse: Deutsche Seniorenliga e.V., Heilbachstr. 32,
53123 Bonn, E-Mail: info@deutsche-seniorenliga.de