Stress geht aufs Gedächtnis

Nicht jede Vergesslichkeit ist gleich Alzheimer

Bonn, 14.04.08 Wenn bei älteren Menschen das Gedächtnis streikt, so keimt oft die Angst vor der Alzheimerkrankheit auf. Doch nicht immer steckt hinter einer zunehmenden Vergesslichkeit gleich die gefürchtete Gehirnerkrankung. In vielen Fällen sind ganz andere Umstände für die Gedächtnisstörungen verantwortlich – einer der wichtigsten ist Stress.

„Wer bei Stress nur an junge, viel beschäftige Menschen denkt, liegt falsch“, so Erhard Hackler, Geschäftsführender Vorstand der Deutschen Seniorenliga in Bonn. „Gerade ältere Menschen sind oft in hohem Maße Stressfaktoren ausgesetzt, die sich in einer schlechten Gedächtnisleistung niederschlagen können“. Der Tod eines Angehörigen, Krankheiten, Einsamkeit, ständige Schmerzen, Geldsorgen oder Operationen können die Betroffenen so stark vereinnahmen, dass sie immer wieder etwas vergessen und Schwierigkeiten haben, den Alltag zu bewältigen. Zusätzlich führt Stress zur Freisetzung von Cortisol – einem Stresshormon, das die Nervenzellen in einer bestimmten Hirnregion (Hippocampus) schädigt. In Entspannungsphasen reguliert sich die Ausschüttung von Cortisol auf ein normales Maß und die Beeinträchtigung des Gedächtnisses wird wieder ausgeglichen. Bei Dauerstress wirkt Cortisol hingegen fortwährend in zu hoher Konzentration auf die Hirnzellen ein, sodass es zu dauerhaftem Zellverlust und Gedächtnisstörungen kommt.

Kann Dauerstress zu Alzheimer führen?

Ob Stress nicht nur vergesslich macht, sondern auch die Entstehung einer Alzheimerdemenz fördert, ist Gegenstand von Untersuchungen. Beobachtungsstudien1 weisen auf einen Zusammenhang zwischen einer hohen Stressanfälligkeit und Beeinträchtigungen des episodischen Gedächtnisses hin – dem Gedächtnisbereich, der Erlebtes speichert und gleichzeitig für Lernvorgänge zuständig ist. Inwiefern eine hohe Stressanfälligkeit als Ursache für eine spätere Demenzerkrankung angesehen werden kann, bedarf noch weiterer Untersuchungen. Jedoch zeigt sich, dass Menschen, die ein aktives Leben führen und gute zwischenmenschliche Kontakte pflegen, mit geringerer Wahrscheinlichkeit eine Alzheimerdemenz entwickeln als Menschen ohne ein stabiles soziales Umfeld. Möglicherweise hilft ein reges Sozialleben dabei, Stress zu verarbeiten und schützt so vor dessen negativen Folgen.

Alterserscheinung oder Alzheimer?

Viele Menschen sind verunsichert, wenn sie Gedächtnisstörungen bei sich selbst oder ihren Angehörigen bemerken. Welche Symptome weisen auf eine Alzheimererkrankung hin? Wie unterscheidet man sie von einer normalen altersgemäßen Vergesslichkeit? Diese und andere Fragen rund um die Diagnose der Alzheimererkrankung beantwortet ein Leitfaden der Deutschen Seniorenliga mit dem Titel „Alzheimer erkennen“. Das kostenfreie Heft kann auf dem Postweg oder im Internet angefordert werden und steht darüber hinaus als Download zur Verfügung. Bestelladresse: Deutsche Seniorenliga e.V. Heilsbachstraße 32, 53123 Bonn, www.deutsche-seniorenliga.de.

1 R. S. Wilson et al., „Proneness to psychological distress is associated with risk of Alzheimer’s disease”, NEUROLOGY 2003; 61:1479-1485