Altersbild deutscher Werbeagenturen praxisfern und
unrealistisch
„Senioren
ticken anders“
Bonn, 12.07.2010 Moderne Senioren sehen nicht mehr so aus, wie
es unseren Vorstellungen von „Oma“ und „Opa“ entspricht.
Sie leben auch anders:
Die „Jungen Alten“ reisen, betreiben exclusive Sportarten, achten auf Ihre
Gesundheit, Fitness und Attraktivität und gönnen sich das gewisse Extra bei
Kleidung, Technik oder Einrichtung. Senioren von gestern sind das „High-Potential“ von morgen! Dementsprechend
ist die Zielgruppe der über 50-Jährigen aus der Sicht von Werbe- und
Marketingspezialisten eigentlich ideal: Dennoch weist die werbetreibende
Wirtschaft gravierende Defizite im Umgang mit dieser Zielgruppe auf. Dies
verdeutlicht eine aktuelle Umfrage der Deutschen Seniorenliga (DSL) in
Zusammenarbeit mit dem Deutschen Institut für Japanstudien Tokyo (DIJ).
„Obwohl 70 Prozent der Befragten dem Segment der
‚Best Ager’ eine hohe oder gar sehr hohe Relevanz für Ihre Arbeit zuordnen,
wird diese heterogene Zielgruppe naiv pauschal angesprochen“, analysiert Erhard
Hackler, geschäftsführender Vorstand der DSL. Die Hälfte der Befragten ordnet
sie undifferenziert nachlässig nach der weit verbreiteten Festlegung „50plus“ – entsprechend
der „werberelevanten Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen“ – ein. Von der
Mehrheit der Befragten wird keine weitere
Differenzierung in der Ansprache vorgenommen. „Dabei weist keine andere Bevölkerungsgruppe so
viele Individualisten auf, mit unterschiedlichsten Verhaltensmustern,
Befindlichkeiten, Lebenserfahrungen und Kompetenzen“, so Hackler. Heterogenität
scheint für „jugendwahnversessene“ Werber ein Fremdwort zu sein.
Die
Folge: Die Generation 50plus kann sich mehrheitlich nicht mit den Inhalten von
TV-Spots und Anzeigen identifizieren. „Ältere wünschen sich stattdessen authentische
und humorvolle Geschichten, in denen mehr Menschen ihrer Generation mitwirken –
und zwar vital, selbstbewusst und lebensfroh“, so Hackler.
Mangelnde Sensibilität und deutliche Kompetenzmängel hinsichtlich
der Heterogenität der Zielgruppe
bestätigt auch Dr. Florian Kohlbacher vom DIJ, der eine vergleichbare Umfrage
mit japanischen Werbeagenturen durchgeführt hat. „Es ist auffällig, wie
schlecht die Kreativen informiert sind und welche Einstellungen sie zum ‚Best Ager’-Markt haben – sowohl in Deutschland wie auch in
Japan“, so Kohlbacher.
Befragung im Januar/Februar 2010 mittels Fragebogen zum
Thema „Best Ager“. Es beteiligten sich bundesweit 112 Agenturen.