Bereits heute sind
EU-weit 12 Millionen Selbstständige älter als Fünfzig
Innovativ, kompetent, erfolgreich: Unternehmensgründer
der 50 Plus-Generation
Bonn, 10.09.2009 Die
Experten sind sich einig: Unternehmensgründer jenseits der Fünfzig haben nicht
nur gute Chancen, erfolgreich am Markt zu bestehen. Sie haben sogar das
Potential, als Motor für die Volkswirtschaft zu fungieren. Schlüsselqualifikationen
wie Erfahrung, Fachwissen, Netzwerke und Kenntnis des Marktes 50 Plus schaffen
den so genannten Silbernen Unternehmern einen Wettbewerbsvorteil gegenüber
jüngeren Unternehmensgründern, der sich unter anderem in besseren Firmenüberlebensraten
bemerkbar macht. So das Fazit des Expertenmeetings „Ältere Unternehmer“,
veranstaltet von der Deutschen Seniorenliga im Rahmen des World Ageing & Generations Congress in
Sankt Gallen.
In den nächsten
vierzig Jahren wird der Anteil der arbeitenden Bevölkerung um 16 Prozent
abnehmen, während der Anteil der Rentner um 77 Prozent ansteigen wird – so eine
Schätzung der Europäischen Kommission. „Doch das Glas ist halb voll“, betont
Tom Cannon, Professor für Strategische Entwicklung, Universität Liverpool.
„Die kommenden
Generationen werden am Ende ihres Berufslebens gesünder und gebildeter sein als
je eine Rentnergeneration davor. Mit ihrer Erfahrung und beruflichen
Qualifikation können sie als Unternehmensgründer maßgeblich zu Innovationen,
Wettbewerbsfähigkeit und Wohlstand der Volkswirtschaft beitragen.“ Ein
Standortvorteil der 50 Plus-Unternehmer ist Cannon zufolge unter anderem die
Fähigkeit, adäquat auf die Herausforderungen eines Marktes zu reagieren, in dem
Dienstleistungen und Produkte für die ältere Generation in Folge des
demographischen Wandels eine immer größere Rolle spielen werden. Bereits heute
sind Cannon zufolge in der Europäischen Union rund 11,8 Millionen Selbstständige
und Arbeitgeber älter als fünfzig. In Deutschland sind 1,6 Millionen Vertreter
der 50 Plus Generation als Selbstständige tätig. Damit ist das Potential
der Silbernen Unternehmer jedoch bei weitem nicht ausgeschöpft. „Forschungsergebnisse
zeigen, dass es den älteren potentiellen Unternehmensgründern noch an
Selbstvertrauen fehlt“, unterstreicht RA Erhard Hackler, Geschäftsführender
Vorstand der Deutschen Seniorenliga. „Dies zu ändern, ist ein Ziel unserer
Arbeit.“ Im Gegensatz dazu zeichnet sich in den USA ein Anstieg der
Unternehmensgründungen durch Ältere ab. Allerdings haben die Firmengründer –
anders als in Deutschland – oftmals keine andere Wahl: „Die Finanzkrise und ein
lückenhaftes soziales Netz zwingen viele amerikanische Arbeitnehmer, über das
normale Rentenalter hinaus zu arbeiten. Auf Grund struktureller Veränderungen
auf dem Arbeitsmarkt kann dieser Bedarf jedoch nicht gedeckt werden – der
Schritt in die Selbstständigkeit ist für viele ältere Amerikaner der einzige
Weg. Zu erwarten sind vor allem neue Ein-Mann-Betriebe, die bereits jetzt den
größten Anteil der Kleinunternehmen in den USA ausmachen“, erklärt Mark Miller, Präsident der
Multimedia-Gesellschaft 50+ Digital, die sich auf die Interessen der Baby Boom
Generation spezialisiert hat. Als Notlösung für alle, die auf Grund ihres
Alters am Arbeitsmarkt keine Chance mehr erhalten, wollen die Experten das
silberne Unternehmertum allerdings nicht verstanden wissen. Um mit einem
Unternehmen auch auf Dauer bestehen zu können, sind neben einer hohen
fachlichen Kompetenz und Erfahrung, so die einhellige Meinung, ein
erfolgsorientiertes Konzept und eine kritische Selbsteinschätzung notwendig. Darüber
hinaus muss die Infrastruktur stimmen. Hier sind nach Expertenmeinung vielfach
Verbesserungen notwendig, beispielsweise im Bereich der kommunalen
Wirtschaftsförderung, der Öffentlichkeitsarbeit und bei der Kreditvergabe durch
Geldinstitute.
Hintergrund
Das World Demographic & Ageing Forum spricht mit seinen Ideen und
Forderungen ein weltweites Zielpublikum aus Politik, Wirtschaft, Nichtregierungsorganisationen
und Forschung sowie die breite Öffentlichkeit an. Ziel ist es, den Herausforderungen
des demographischen Wandels aktiv zu begegnen und konkrete Lösungswege zu
finden – sei es für ein gerechtes Gesundheitswesen in allen Teilen der Welt, berufliche
Perspektiven für Jung und Alt oder ein faires und soziales Zusammenleben der Generationen.
Der jährliche Weltkongress, der in diesem Jahr zum fünften Mal vom 3. bis 5. September
an der Universität St. Gallen (Executive Campus) stattfand, bietet eine
Plattform für einen Meinungsaustausch und die konstruktive Zusammenarbeit
internationaler Experten.
Weitere Informationen
unter www.wdaforum.org.