Grund
für das Fehlverhalten einiger Berater ist ein ausgeklügeltes System
individueller Vertriebsziele, das einen Privatkundenberater der Bank zum
Verkäufer macht. Und mit älteren Kunden scheint er oft leichtes Spiel zu haben.
So wurde in Beraterkreisen der Begriff des AD - Kunden - A für alt, D für doof
- geprägt.
Zwischen
einem Bankkunden und seinem Berater besteht ein besonderes
Vertrauensverhältnis, zumal wenn es wie bei älteren Kunden schon über Jahre
gewachsen ist. „So vertrauen die älteren Menschen den Bankern oft blind. Sie
verzichten darauf, Verträge durchzulesen, Renditen zu vergleichen oder sich
vergleichend bei verschiedenen Banken beraten zu lassen“, so Erhard Hackler,
geschäftsführender Vorstand der Deutschen Seniorenliga DSL. „Finanzberater tragen
in hohem Maße Verantwortung dafür, dass die Sicherheit der Geldanlage des
Kunden gewährleistet ist. Werbliche Zusagen müssen in wesentlichen Punkten als
Haftungsgrundlage schriftlich fixiert werden“, meint Hackler.
Angesichts
des eingetretenen Vertrauensverlustes insbesondere bei älteren Kunden fordert Hackler
von den Banken eine Vertrauensoffensive: „Viele Banken befinden sich in einem
Dilemma. Einerseits sind sie selbst Opfer und andererseits sind sie
Mitverursacher der Wirtschaftskrise, zumindest aus Sicht der Kunden." Um
das erheblich angeschlagene Image wieder zu verbessern und das Vertrauen der
Kunden zurück zu gewinnen, rät Hackler zu einem Verhaltenskodex im Umgang mit
Bankkunden. Besonders wichtig sei in diesem Zusammenhang, in Zukunft für den Kunden
nachvollziehbar verantwortungsvoll tätig zu sein. Denn wer mit Steuergeldern
saniert wird, ist Rechenschaft schuldig und trägt gegenüber der
Solidargemeinschaft aller Steuerzahler – heute und zukünftig – die
Verantwortung; und zwar jeder einzelne Mitarbeiter einer Bank, vom Angestellten
bis zum Vorstand und den Aufsichtsgremien, Politiker eingeschlossen.
Erster
Ansatzpunkt im Verhaltenskodex einer Bank muss sein, die Beratungsqualität
deutlich zu steigern und die Beratungszeiten auszuweiten. Bei den Produkten sollte
man nur noch jene anbieten, die sicher sind, die vom Bankpersonal nachvollziehbar
erklärt werden können und die von den Kunden erkennbar verstanden werden. Deshalb müssen Informationen über Risiken transparent sein
und allgemeinverständlich erfolgen.
Darüber
hinaus seien auch gesetzliche Regeln notwendig, damit für Bankkunden bei der
Beratung das Gleiche wie für Versicherungskunden gelte. Sie müssten zum
Beispiel ein Protokoll ihrer Beratung bekommen, um zu wissen, was genau sie
kaufen. „Um das Vertrauen kurzfristig wiederherzustellen, müssten als Erstes
deutliche Signale von den Banken gesetzt werden", resümiert Hackler. Den
älteren Kunden rät er, nicht gleich zu unterschreiben. Vielmehr sollte man Angebote
in Ruhe prüfen, mit anderen Angeboten vergleichen und unter Umständen eine
Beratung der bundesweit vertretenen Verbraucherzentralen in Anspruch zu nehmen.