Seniorenliga fordert fairen Umgang mit älteren Kunden

Banken sollten Vertrauensoffensive starten - Unabhängige Verbraucherberatung wichtig

Bonn, 05.06.09 Das Verhältnis zwischen Kunde und Bank ist schwerwiegend gestört. Laut einer Forsa-Umfrage gaben 53% der Befragten an, schon einmal die Entscheidung für eine Geldanlage bereut zu haben und 43%, dass sie sich bei Finanzfragen oft überfordert fühlen. Ein Grund hierfür sind neben persönlichen Erfahrungen Berichte über die anscheinend gängige Praxis einiger Bankberater, das Vertrauen älterer Kunden für den Abschluss unsicherer Spekulationsgeschäfte missbraucht zu haben. Die Deutsche Seniorenliga fordert aus diesem Grund, die Finanzberater stärker in die Pflicht zu nehmen und die gängige Provisionspraxis zu beenden.

Grund für das Fehlverhalten einiger Berater ist ein ausgeklügeltes System individueller Vertriebsziele, das einen Privatkundenberater der Bank zum Verkäufer macht. Und mit älteren Kunden scheint er oft leichtes Spiel zu haben. So wurde in Beraterkreisen der Begriff des AD - Kunden - A für alt, D für doof - geprägt.

Zwischen einem Bankkunden und seinem Berater besteht ein besonderes Vertrauensverhältnis, zumal wenn es wie bei älteren Kunden schon über Jahre gewachsen ist. „So vertrauen die älteren Menschen den Bankern oft blind. Sie verzichten darauf, Verträge durchzulesen, Renditen zu vergleichen oder sich vergleichend bei verschiedenen Banken beraten zu lassen“, so Erhard Hackler, geschäftsführender Vorstand der Deutschen Seniorenliga DSL. „Finanzberater tragen in hohem Maße Verantwortung dafür, dass die Sicherheit der Geldanlage des Kunden gewährleistet ist. Werbliche Zusagen müssen in wesentlichen Punkten als Haftungsgrundlage schriftlich fixiert werden“, meint Hackler.

Angesichts des eingetretenen Vertrauensverlustes insbesondere bei älteren Kunden fordert Hackler von den Banken eine Vertrauensoffensive: „Viele Banken befinden sich in einem Dilemma. Einerseits sind sie selbst Opfer und andererseits sind sie Mitverursacher der Wirtschaftskrise, zumindest aus Sicht der Kunden." Um das erheblich angeschlagene Image wieder zu verbessern und das Vertrauen der Kunden zurück zu gewinnen, rät Hackler zu einem Verhaltenskodex im Umgang mit Bankkunden. Besonders wichtig sei in diesem Zusammenhang, in Zukunft für den Kunden nachvollziehbar verantwortungsvoll tätig zu sein. Denn wer mit Steuergeldern saniert wird, ist Rechenschaft schuldig und trägt gegenüber der Solidargemeinschaft aller Steuerzahler – heute und zukünftig – die Verantwortung; und zwar jeder einzelne Mitarbeiter einer Bank, vom Angestellten bis zum Vorstand und den Aufsichtsgremien, Politiker eingeschlossen.

Erster Ansatzpunkt im Verhaltenskodex einer Bank muss sein, die Beratungsqualität deutlich zu steigern und die Beratungszeiten auszuweiten. Bei den Produkten sollte man nur noch jene anbieten, die sicher sind, die vom Bankpersonal nachvollziehbar erklärt werden können und die von den Kunden erkennbar verstanden werden. Deshalb müssen Informationen über Risiken transparent sein und allgemeinverständlich erfolgen.

Darüber hinaus seien auch gesetzliche Regeln notwendig, damit für Bankkunden bei der Beratung das Gleiche wie für Versicherungskunden gelte. Sie müssten zum Beispiel ein Protokoll ihrer Beratung bekommen, um zu wissen, was genau sie kaufen. „Um das Vertrauen kurzfristig wiederherzustellen, müssten als Erstes deutliche Signale von den Banken gesetzt werden", resümiert Hackler. Den älteren Kunden rät er, nicht gleich zu unterschreiben. Vielmehr sollte man Angebote in Ruhe prüfen, mit anderen Angeboten vergleichen und unter Umständen eine Beratung der bundesweit vertretenen Verbraucherzentralen in Anspruch zu nehmen.