Finanzämter erheben Gebühren für Auskünfte

Senioren besonders betroffen

 

Bonn, 1.12.2006 Das Jahressteuergesetz 2007 ist verabschiedet. Eine Neuregelung bewegt sich am Rande der Unverschämtheit und wirft die Frage auf, ob die Regierung den Steuerzahler überhaupt noch ernst nimmt: So sollen Finanzämter "für die Bearbeitung von Anträgen auf Erteilung einer verbindlichen Auskunft" Gebühren nehmen. Steuerzahler müssen also zusätzlich Geld ausgeben, wenn sie beim Finanzamt in Erfahrung bringen wollen, wie viel sie eigentlich genau bezahlen müssen. Bizarre Begründung der Politik: Das neue Steuerrecht sei so kompliziert, dass mit mehr Anfragen gerechnet werde.

Kompliziert ist es, unser Steuersystem. In diesem Irrgarten steigt die Zahl derer, die sich ratsuchend ans Finanzamt wenden, stetig an. Doch hier ist Vorsicht geboten: Wer eine verbindliche Auskunft vom Finanzamt haben will, muss sie schriftlich beantragen. Eine telefonische Auskunft ist für den Fiskus nicht bindend. Wer sein Anliegen daher schriftlich verfassen will, sollte folgendes bedenken: Die "verbindliche Auskunft" kostet zukünftig Geld. Abgerechnet werden soll nach dem "Gegenstandswert", also "dem Wert, den die verbindliche Auskunft für den Antragsteller hat", wie es in dem Gesetzestext heißt. Kann dieser Wert nicht geschätzt werden, dann sind 50 Euro je angefangene halbe Stunde fällig - mindestens aber 100 Euro. Unverbindliche Auskünfte sollen wie bisher gebührenfrei bleiben.

"Das Steuerrecht wird immer undurchsichtiger", meint Erhard Hackler, geschäftsführender Vorstand der DSL German Seniors. "Anstatt jedoch den Bürgerinnen und Bürgern für Auskünfte neue Kosten aufzubürden, sollte die Politik lieber dafür sorgen, dass unser Steuerrecht einfacher gestaltet wird." Stattdessen werde die Vernebelung auch noch schamlos ausgenutzt, um weitere Einnahmen in den Staatssäckel zu schaffen. Senioren würden schon mit dem neuen Alterseinkünftegesetz (AEG) eine deutliche Mehrbelastung hinnehmen. "Dass der Staat sie jetzt noch für verbindliche Auskünfte zur Kasse bittet, ist schlichtweg unverschämt,“ so Hackler.