Was heißt hier alt?

Deutsche Seniorenliga räumt mit Altersstereotypen auf

Bonn, 30.11.17 Mehr als 20 Prozent der Menschen in Deutschland sind älter als 65 Jahre. Damit gehört die Bundesrepublik zu den „super-aged“ Nationen, gemeinsam mit Japan, Griechenland und Italien. Was bedeutet das? Steuert hierzulande jeder Fünfte auf Krankheit und Senilität zu? Oder bieten die vielen Älteren auch eine Chance für Wirtschaft und Gesellschaft?

„DIE Senioren gibt es nicht“, sagt Erhard Hackler, Vorstand der Deutschen Seniorenliga. „In keiner Altersgruppe gibt es so große Unterschiede wie bei den Älteren. Es wird Zeit, die Bedürfnisse und Fähigkeiten von Menschen weniger an ihrem biologischen Alter festzumachen als an ihrer individuellen Situation.“ Dass hier einiges im Argen liegt, zeigt sich zum Beispiel am Arbeitsmarkt: „Es ist nicht zu verstehen, dass in der heutigen Zeit des Fachkräftemangels auch gut ausgebildete ältere Arbeitnehmer – und das sind bereits Mitte 50-Jährige – oftmals Schwierigkeiten haben, sich am Arbeitsmarkt noch einmal neu zu orientieren oder gar „ausgemustert“ werden“, kritisiert Hackler.

Gesünder als vor 30 Jahren

Zweifellos bringt der natürliche Alterungsprozess Veränderungen mit sich, die zu gesundheitlichen Einschränkungen und nachlassender Mobilität führen. So sind die über 60-Jährigen die Hauptabnehmer von Arzneimitteln, weit mehr als die Hälfte der über 65-Jährigen nimmt täglich mehrere Medikamente ein. Dennoch: Die heutige ältere Generation hat im Vergleich zu ihren Altersgenossen vor 30 Jahren im Schnitt fünf gesunde Lebensjahre hinzugewonnen und fühlt sich zwölf Jahre jünger. Ein heute 65-Jähriger hat hierzulande durchschnittlich noch rund 21 Lebensjahre vor sich. Zwar gibt es immer mehr Pflegebedürftige, weil die alten Menschen zahlreicher werden. Doch 39 Prozent der Altersgruppe der 60- bis 85-Jährigen sind nicht pflegebedürftig.

Altersarmut versus Kaufkraft

Aus wirtschaftlicher Sicht sind Senioren eine der interessantesten, vor allem aber die kaufkräftigste Kundengruppe. Die Hälfte der Menschen 65plus verfügt über ein Nettovermögen von 55.000 Euro. 69 Prozent der 65- bis 69-Jährigen fahren ein eigenes Auto, die meisten Neuwagen werden an diese Altersgruppe verkauft. 55 Prozent der Menschen über 65 haben Wohneigentum. Im Gegensatz dazu reicht bei immer mehr Senioren in Deutschland die Rente nicht aus; durchschnittlich 3 Prozent der über 65-Jährigen nehmen Grundsicherung in Anspruch. Unter diesem Aspekt ist die steigende Zahl der berufstätigen 65- bis 74-Jährigen nicht unbedingt eine gute Nachricht – viele müssen schlichtweg dazuverdienen. „Es fehlt an innovativen Konzepten und Produkten, die dem Älterwerden mit all seinen Phasen und individuellen Facetten gerecht werden“, sagt Hackler. Eine bessere Kommunikation zwischen Jung und Alt könnte dazu beitragen – von der Familie über die Politik und Gesellschaft bis in die Unternehmen hinein.

Zahlen, Fakten und Statements zur Vielfalt des Älterwerdens bietet die Deutsche Seniorenliga regelmäßig auf Twitter (@Seniorenliga), #Jahresringe.

Quellen:
• Bundeszentrale für politische Bildung
http://www.zeit.de/politik/deutschland/2017-08/senioren-zufriedenheit-altersvorsorge-politikverdrossenheit-studie
https://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/detail/pharmazie/uebermedikation-gefaehrdet-senioren-polyphramazie-medikationsplan/
www.medikamente-im-alter.de
• Siebter Altenbericht zur Lage der älteren Generation in Deutschland https://www.siebter-altenbericht.de/index.php?eID=tx_nawsecuredl&u=0&g=0&t=1505823032&hash=7425f66d6642b7c17068950dc8895f769dcd3330&file=fileadmin/altenbericht/pdf/Der_Siebte_Altenbericht.pdf
www.deutscheseniorenwerbung.de
www.goldenagers.de
www.rotary.de