Ältere Autofahrer – Was tun bei Demenz?

Kostenlose Broschüre für Angehörige

Bonn, 23.08.17 Die Zahl der Demenzkranken in Deutschland steigt unaufhaltsam. Gegenwärtig leben hierzulande mehr als 1,4 Millionen Demenzkranke und jedes Jahr kommen fast 300.000 Ersterkrankungen hinzu. Ursache ist die steigende Lebenserwartung sowie die zunehmende Zahl an älteren Menschen. Das wirkt sich auch auf die Mobilität aus - die Zahl der betagten Autofahrerinnen und Autofahrer wächst. Wie sollen sich Angehörige verhalten, wenn altersbedingte Einschränkungen oder eine Demenzerkrankung das Führen eines Autos einschränken oder gar unmöglich machen? Die Deutsche Seniorenliga (DSL) und die Unfallforschung der Versicherer (UDV) geben in ihrem Ratgeber „Offen gesagt“ Tipps, wie man ein Gespräch über das sensible Thema Fahrtüchtigkeit am besten führt.

Demenz entwickelt sich schleichend

„Bei einer beginnenden leichten Demenz darf durchaus noch gefahren werden“, sagt Erhard Hackler, geschäftsführender Vorstand der Seniorenliga. Menschen mit fortschreitender Erkrankung sollten aber auf keinen Fall mehr hinters Steuer. Bei schwerer Altersdemenz gilt nach der Fahrerlaubnis-Verordnung auch ein eindeutiges Fahrverbot. „Bei Bedenken hinsichtlich der Fahrtüchtigkeit sollte man ältere Familienmitglieder zunächst während einer oder mehrerer Autofahrten beobachten, um möglichst viele Situationen zu erfassen“, rät Siegfried Brockmann, Leiter der UDV. Dabei ist insbesondere auf die Reaktions- und Wahrnehmungsfähigkeit zu achten. Bei Demenzkranken fällt als erstes Anzeichen eine zunehmende Orientierungslosigkeit auf. Spätestens wenn sich der Angehörige selbst in bekannter Umgebung verirrt, Verkehrsschilder missachtet oder Beinahe-Unfälle verursacht, sollte man eingreifen. Der Hausarzt sollte den Betroffenen an eine neurologische oder psychiatrische Fachambulanz oder eine Memory-Klinik überweisen, wo spezielle Untersuchungen zur Fahrtüchtigkeit durchgeführt werden.

Tipps bei offensichtlicher Fahruntüchtigkeit

Auch bei Demenzkranken kratzt es am Selbstwertgefühl, wenn sie den Führerschein abgeben sollen. Deshalb ist es besser, auf andere Weise sicherzustellen, dass der Patient nicht mehr fährt. So kann man beispielsweise den Augenarzt einweihen und schwindende Sehkraft vorschieben. Vielen Betroffenen fällt es leichter zuzugeben, dass sie nicht mehr so gut sehen, als an Demenz erkrankt zu sein. Bei fortschreitender Erkrankung vergessen Betroffene mitunter, dass sie nicht mehr fahren dürfen, und bestehen darauf, sich ans Steuer zu setzen. „Um die Betroffenen und andere Verkehrsteilnehmer zu schützen, hilft dann meist nur, das Auto außer Sichtweite zu parken oder den Schlüssel zu verstecken“, rät Hackler. Ausreden wie „Das Auto ist kaputt“ oder „Der Schlüssel ist weg“ akzeptieren Betroffene oft leichter. Der beste Weg, einen Demenzkranken vom Autofahren abzubringen, sind auch hier Angebote für Mobilitätsalternativen wie der öffentliche Nahverkehr. Gerade bei Demenz ist es wichtig, dass die Betroffenen weiter am sozialen Leben teilnehmen können.

Kostenloser Ratgeber

Wer sich Sorgen um Eltern oder Großeltern macht, findet in der kostenlosen Broschüre „Offen gesagt“ Rat und Hilfe, wie ein Gespräch über dieses sensible Thema am besten geführt und wen man als Verbündeten mit ins Boot holen sollte. Außerdem werden Fakten und Informationen an die Hand gegeben, um Hinweise auf Fahrmängel richtig deuten zu können. Bestelladresse: Deutsche Seniorenliga, Heilsbachstraße. 32, 53123 Bonn. www.udv.de; www.deutsche-seniorenliga.de