Herausforderung Digitaler und Demografischer Wandel

Älteren Menschen droht der „digitale Ausschluss“

Bonn, 04.04.2017 Der digitale Wandel begegnet uns in vielen Lebensbereichen. Die technologischen Entwicklungen sind rasant und verändern die Art, wie wir leben und miteinander kommunizieren. Vor allem der Zugang zu sozialen Medien bekommt eine immer größere Bedeutung. All dies eröffnet Chancen für mehr Lebensqualität. Nach Ansicht der Deutschen Seniorenliga müssen aber Wege gefunden werden, die verhindern, dass im Prozess des digitalen Wandels die ältere Generation verloren geht. Dazu ist die Einbeziehung älterer Menschen notwendig.

Auf der „South by Southwest“ (SXSW) in Austin, der größten und bedeutendsten Konferenz für Digitaltechnik weltweit, die jährlich im März stattfindet, wurden auch diesmal Hunderte von Lösungen auf dem Sektor Gesundheit und Mobilität vorgestellt.

Während für viele Ältere die Nutzung des Internet schon selbstverständlich ist, haben andere noch Vorbehalte, mit den neuen Medien umzugehen. In der Altersgruppe der über 65-Jährigen nutzen nur 39 Prozent* ein Smartphone, bei den jüngeren Altersgruppen sind es nahezu 100 Prozent. Konkret bedeutet dies, dass über 10 Millionen ältere Menschen in Deutschland kein mobiles Internet nutzen können oder wollen. Ohne Unterstützung würde diesen Menschen der Zugang zum globalen Datennetz auf Dauer verwehrt bleiben.

„Das Internet ist kein Exklusivclub für die junge Generation - gerade für Seniorinnen und Senioren hat die digitale Welt viele Vorteile zu bieten,“ ist Erhard Hackler, geschäftsführender Vorstand der Deutschen Seniorenliga, überzeugt: „Leute im besten Alter halten Kontakt zu Kindern und Enkelkindern, kaufen günstig und bequem über das Internet ein und recherchieren zu ihrem Interessengebiet.“ Digitalisierung heißt aber nicht nur mobiles Internet, es geht auch um Vernetzung und digitale Helfer. Umfassende Gesundheitsapps oder Notfallgeräte und vielfältige Anwendungsbereiche der neuen Smart-Home-Technologien tun ihr Übriges. Wichtig ist die Beteiligung Älterer an der Entwicklung zukünftiger Produkte und Dienstleistungen. Beispiel Mobilität: Gerade in der aktuellen Diskussion um ältere Autofahrer ist es notwendig, diese bei der Digitalisierung der Fahrzeuge besonders zu berücksichtigen. Auf der einen Seite können Assistenzsysteme gerade Älteren von besonderem Nutzen sein, auf der anderen Seite reagieren ältere Fahrer auf Ablenkung besonders empfindlich. Navigations- oder Assistenzsysteme, die den Fahrzeugführer mit einer Vielzahl von Informationen überfluten, können ein erhöhtes Risiko statt Entlastung bedeuten.

Vor diesem Hintergrund müssen bei der Entwicklung als auch bei der Einführung neuer Produkte und Dienstleistungen Hersteller, Handel, aber auch die Politik dafür Sorge tragen, dass die Bedürfnisse der Älteren berücksichtigt werden. Hierbei geht es nicht um „Seniorenversionen“ von Angeboten. „Es ist vielmehr notwendig, die Menschen bei der Produktentwicklung und bei der Markteinführung neuer Technologien miteinzubeziehen“, fordert Hackler und ergänzt: „In Deutschland müssen wir mit und nicht nur über unsere älteren Mitbürger sprechen, zumal die stetig kürzeren Innovationszyklen gerade Ältere fordern werden.“ Insbesondere für diejenigen, die bisher noch nicht in der digitalen Welt unterwegs waren, wird dieser Schritt immer größer, wenn nicht gar unmöglich werden. Dem hierdurch drohenden „digitalen Ausschluss“ wird die Seniorenliga entgegenwirken und das Thema Digitalisierung weiterhin aktiv mit Informations- und Bildungsangeboten, Studien und internationalem Erfahrungsaustausch begleiten. Darüber hinaus wird sich der Verband vermehrt um die Gründerszene kümmern, um den Einfluss der älteren Generation auf die Entwicklung von Produkten und Dienstleistungen zu stärken.

*BITKOM Research
http://www.deutsche-seniorenliga.de/themen-initiativen/lifestyle-technik.html