Risiko für Arzneimittel-Nebenwirkungen bei Älteren höher

Bei Beschwerden nicht gleich zum nächsten Medikament greifen

Bonn, 09.09.15 Ältere Menschen reagieren empfindlicher auf Arzneiwirkstoffe als junge. Oftmals nehmen sie mehrere Medikamente ein, die sich zum Teil gegenseitig beeinflussen. Die Gefahr von Nebenwirkungen ist daher bei Älteren besonders groß. Anstatt das Problem wiederum mit Arzneimitteln anzugehen, sollte der Arzt zunächst einen kritischen Blick auf die bereits verschriebenen Medikamente werfen. Eine Übersicht über für Senioren problematische Wirkstoffe bietet die Deutsche Seniorenliga im Internet an.

Ältere Menschen leiden nicht nur häufiger an Erkrankungen als junge. Sie haben auch stärker mit Medikamenten-Nebenwirkungen zu kämpfen. Das liegt unter anderem daran, dass bei ihnen der Stoffwechsel langsamer abläuft: Wirkstoffe werden nicht mehr so schnell abgebaut, verbleiben länger im Körper und belasten dadurch zum Beispiel die Nieren. Hinzu kommt, dass viele ältere Patienten mehrere Medikamente einnehmen müssen, die sich oftmals in ihren Nebenwirkungen verstärken.

Nebenwirkungen besser vermeiden statt bekämpfen

Weit verbreitet ist das sogenannte anticholinerge Syndrom, das unter anderem bei Arzneimitteln auftreten kann, die am Nervensystem und am Gehirn ansetzen. Dazu gehören beispielsweise Antidepressiva, Parkinsonmedikamente oder Beruhigungsmittel. Diese wirken in gewissem Maße auch auf den Magen-Darm-Trakt, Augen, Haut, Harnwege sowie Mund- und Rachenraum. Sehstörungen, Verstopfung oder Probleme beim Schlucken sind daher bei den betroffenen Patienten weit verbreitet. Auf der anderen Seite können Medikamente zum Beispiel gegen Harninkontinenz zu unerwünschten Effekten am zentralen Nervensystem führen, wie etwa Verwirrtheit, Orientierungslosigkeit oder Gedächtnisprobleme. „Reagiert man auf jedes Leiden mit einem weiteren Medikament, geraten die Patienten leicht in einen Teufelskreis“, mahnt Professor Dr. Giso Deussen, Vorsitzender der Deutschen Seniorenliga e.V. „Grundsätzlich sollte der Arzt vor jeder Verschreibung prüfen, ob ein Beschwerdebild möglicherweise erst durch ein Medikament verursacht wird. Oftmals genügt es, die Dosierung zu ändern oder ein anderes Präparat auszuprobieren.“ Zentralnervösen Nebenwirkungen wie Denkstörungen oder Desorientierung kann der Arzt beispielsweise vorbeugen, indem er auf einen Wirkstoff zurückgreift, der aufgrund seiner chemischen Beschaffenheit die Blut-Hirn-Schranke nicht überwinden kann und somit das zentrale Nervensystem nicht beeinflusst.

Die Deutsche Seniorenliga bietet im Internet unter www.medikamente-im-alter.de auf Basis der sogenannten PRISCUS-Liste* eine Übersicht über die Wirkstoffe an, die älteren Menschen Probleme bereiten können. Gleichzeitig werden Alternativen und Maßnahmen aufgezeigt, die das Risiko für Nebenwirkungen senken. Informationen speziell zur Harninkontinenz im Alter gibt es unter www.dsl-blasenschwaeche.de sowie in der Broschüre „Blasenschwäche ist kein Schicksal“. Der Ratgeber ist kostenfrei übers Internet oder auf dem Postweg erhältlich bei: Deutsche Seniorenliga (DSL) e.V., Heilsbachstraße 32, 53123 Bonn; www.dsl-blasenschwaeche.de. Bestell-Hotline 01805 – 001 905 (0,14 Euro/Min. aus dem deutschen Festnetz, Mobilfunkpreise abweichend).

* Um die Sicherheit bei der Verordnung von Arzneimitteln zur Behandlung älterer Menschen zu erhöhen, haben Wissenschaftler eine Liste mit jenen Wirkstoffen erstellt, die für ältere Menschen bedenklich sein können. Auf der sogenannten PRISCUS-Liste sind vor allem Wirkstoffe berücksichtigt, die häufig bei alterstypischen Erkrankungen zum Einsatz kommen.